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  • Ihr seit in einer Großstadt auf dem RTW bei einer Berufsfeuerwehr. Ihr (NotSan) und euer RTW Maschinist (RettSan) genießt den sonnigen Tag mit 25°C.


    Ihr werdet alarmiert mit dem Stichwort: 1RTW, VP Radsturz


    Der Einsatzort ist in einem Tal auf einer Landstraße innerorts am Stadtrand neben einem Wald und ist ca. 8 Minuten von der Wache entfernt.


    BF Wache = 8 Minuten, NEF Standort = 12 Minuten


    Als ihr an der Einsatzstelle ankommt seht ihr ein Fahrrad welches auf der Straße liegt und einen älteren Mann (ca. 60 Jahre alt) welcher daneben liegt. Er hat einen Fahrradhelm an welcher nicht kaputt gegangen ist. Seine Ehefrau ist neben ihn und versucht ihn zu beruhigen. Die Polizei ist noch nicht am Einsatzort eingetroffen. Es sieht so aus als wenn der Mann aus dem Radweg welcher aus dem Wald führt bergab über die Straße fahren wollte und dann gestürzt ist.


    Welche Maßnahmen leitet ihr ein und was nehmt ihr mit ?

    Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr

  • Natürlich sicher ich in soweit mit meinem RTW die Einsatzstelle ab. Zur Not auch die Straße dicht machen, falls dies erforderlich ist.


    Als nächstes nehme ich dann eigentlich soweit fast alles an Equipment mit. (C3, Roter Koffer [Bei uns Kreislauf, kritisches C, Verband, Diagnostik etc.], Blauen Koffer [Airway und Sauerstoff, Hand Absauge ist auch dabei], C3.
    Nun geh ich auf den Patienten zu. Sind irgendwelche groben Fehlstellungen zu sehen? Blut? Fixiert mich der Patient wenn ich ihn anspreche?

    Selbstsicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit.

  • Zuerst: Eigensicherung geht vor.
    Wir sichern die Einsatzstelle ab: wir parken den RTW so ab, dass dieser unser Arbeitsbereich als „Prellbock“ schützt. Zusätzlich wird die Einsatzstelle mit Blaulicht und Warnblinklicht kenntlich gemacht.


    Bevor wir aussteigen, ziehen wir unsere Einsatzjacke mit Reflexstreifen an.


    Dann: wir nehmen unsere Basisausstattung (Rucksack, Monitor, Sauerstoff, Anbsaugung) mit.


    Haben wir COVID-Lage?


    Beim Annähern an den Patienten machen wir einen „schnellen Blick“:
    Patient wach? Irgendwelche Blutungen erkennbar? Fehlstellungen der Extremitäten erkennbar?

    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!


    #WirBleibenZuhause

  • schließe mich @sb-modder an.


    Da hier erstmal ein traumatischer Einsatz mit unklarem Vorgang besteht, bitte ich meinen RS darum, dass er direkt den Kopf des Patienten fixiert, wenn wir am Patienten angekommen sind. (solange, bis später meine Untersuchungen zeigen, dass der Pat. nicht immobilisiert werden muss)

    Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr

  • Dann fasse ich eure Maßnahmen noch einmal kurz zusammen.
    Ihr sichert die Einsatzstelle vor dem fließenden Verkehr mit dem RTW ab und geht mit dem Notfallrucksack, C3, Absaugung und Sauerstofftasche zum Patienten.
    Der Patient ist wach, ansprechbar und orientiert. Er verneint jedliche Covid Symptomatiken und jammert lauthals über seine Schmerzen im Rückenbereich. Er windet sich auf den Boden vor Schmerzen und hält sich mit der Hand an dem unteren Rücken. Ansonsten seht ihr keinerlei Fehlstellungen oder Blutungen. Er hat lange Kleidung an und sein Fahrradhelm ist noch heile.
    Ihr schickt euren Rett.San. am Kopf um diesen zu fixieren. Der Mann reagiert daraufhin etwas unverständlich und meckern das er nichts am Kopf hat und was das soll.
    Seine Frau neben ihm ist weiterhin ganz aufreget und fragt euch öfters wie schlimm es wohl aussieht und ob wir ihrem Mann helfen können.


    Was sind eure weiteren Schritte?

    Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr

  • OK.
    Bei unserem Eintreffen: liegt der Patient auf dem Rücken?
    Wenn ja: weiter zu ABCDE
    Wenn nein: ich machen einen schnellen Check der WS - sind Fehlstellungen und Hämatome sichtbar? Gibt es Schmerzen bei Berührung? Wenn ja, wo genau?
    Danach drehe ich den Patienten achsengerecht auf den Rücken.


    Ebenso erkläre ich ihm, dass mein Kollege zur Sicherheit am Kopf ist, solange wir keine Verletzungen der HWS ausschließen können.


    Dann kommen wir zum cABCDE-Schema:
    c (critical): wurde ja schon geschrieben, dass keine bedrohlichen Blutungen vorhanden sind.
    A (Airways): Immobilisation der HWS manuell durch Kollegen und Anlegen eines StifNecks. Nach Möglichkeit ziehe ich dafür den Fahrradhelm in der 2-Helfermethode aus. Sind die oberen Atemwege frei? Gibt es Verletzungen im Mundraum?
    B (Breathing): Kontrolle des Thorax mittels Optik, Palpation und Auskultation. Sehe ich Hämatome? Ist der Thorax stabil? Habe ich Anzeichen auf einen Pneumo- oder Hämatothorax? Wie ist die Atemfrequenz? Der Kollege am Kopf macht den SpO2-Sensor an den Finger, damit wir eine Sättigung bekommen.
    C (Circulation): Wie ist der Puls? Gut/schlecht tastbar, rhythmisch/arrhythmisch, normofrequent/tachycard/bradycard? Wie ist die Recap-Zeit? Auf den RR verzichte ich im Primary-Check.
    Als Nächstes kontrolliere ich die großen Einblutungsräume: Palpation von Abdomen, Becken und Oberschenkel.
    D (Disabillity): wie ist der neurologische Status (GCS), Wie ist das Empfinden in den Extremitäten? Motorik und Sensorik gegeben?
    E: Ich mache einen groben Bodycheck, ob ich weitere Verletzungen erkennen kann und mache mittels einer Decke den Wärmeerhalt. Ebenso frage ich nach der Schmerzstärke.
    Auf eine komplette Entkleidung für eine endgültige Traumauntersuchung verzichte ich erstmal im Freien und verschiebe dieses, wenn es der Zustand zulässt, auf den Punkt im RTW.


    Nach dem ersten ABCDE erkundige ich mich, wie es zu dem Unfall gekommen ist, um evtl. internistischen und/oder neurologischen Ursachen auszuschließen.

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    #WirBleibenZuhause

  • Maximalversorgungskrankenhaus ca 15 Minuten fahrzeit.
    RTH ist direkt in der Nachbarstadt.


    Er liegt auf dem Rücken. Als dein Kollege den Kopf stabilisieren will jammert nur mehr rum das er nichts am Kopf habe sondern viel mehr Rückenschmerzen und das ihr ihm eine starke Ibu geben sollt. Beim anlegen des StifNecks werden seine beschwerden immer mehr.


    A = Atemwege frei, keine sichbaren Verletzungen des Mundraumes
    B = Keine Auffälligkeiten. Spo2 liegt bei 97%
    C = Puls ist gut tastbar, Recap normal, als du den Bauchraum abtastest beschwert er sich immer mehr und gibt immer größeren Schmerzen an
    D = GCS 15, DMS unauffällig
    E = Der grobere Bodycheck ist unauffällig. Er gibt 9 in der Schmerzskala an.


    Seine Frau erzählt dir das er schnell den Berg hier herunter gefahren sei und dann hat auf einmal sein Vorderrad blockiert und er ist Kopf über auf die Straße geknallt. Mit welchem Körperteil er zuerst aufgekommen ist wissen beide nicht, es ging zu schnell. Die aufgeregte Frau verhaspelt sich immer wieder.


    Wie geht ihr weiter vor ?

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  • Ergänzungen zu unserem primären ABCDE


    B= Traumapatient bekommt initial HighFlow, bis das Gegenteil bewiesen ist!
    C= schön das der Puls gut tastbar ist, welche Frequenz haben wir denn? (Bauchraum willkürlich abtasten hat bei C nichts verloren)
    E= was ist ein grober Bodycheck? Ich für meine Wenigkeit bin ITLS Anwender und auch bei anderen Verfahren wäre mir ein grober Bodycheck nicht bekannt also:


    Kopf: knöcherne Strukturen stabil, Blutung aus Nase/Ohren/Mund?
    Hals: Hartspann im Nacken, gestaute Halsvenen (kann man in der Regel eh nicht erkennen), Schmerzen?
    Thorax: knöcherne Strukturen stabil, Lunge bds. frei und belüftet, Schmerzen?
    Abdomen: aufgeteilt in 4 Quadranten -> Abwehrspannung/Schmerzen/Zeichen Einblutung (Hämatom etc.)?
    Becken: knöcherne Strukturen stabil, Schmerzen/Zeichen Einblutung?
    Oberschenkel: knöcherne Strukturen stabil, Schmerzen/ Zeichen Einblutung?
    Hände/Füße: sind sie noch da, Gefühlsstörungen?
    Rücken/WS: knöcherne Strukturen stabil, Hartspann/Schmerzen?


    So viel Zeit muss sein, sonst läuft mir ein Trauma ganz schnell davon und ich würde der Lage nur noch hinterher rennen können.


    Edit: @Dumpfbacke Becken habe ich vergessen (Schande über mein Haupt), danke für die Anmerkung

    Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr

    Edited once, last by Flo. NF ().


  • (Bauchraum willkürlich abtasten hat bei C nichts verloren)

    Also bei uns wurde der Bauchraum bei C strukturiert in den 4 Quadranten abgetastet.



    Ein grober Boddycheck ist eine schnelle Nachschau nach Verletzungen.
    dies machen wir bei uns immer so, wenn wir draußen schlechte Bedingungen haben und schauen, ob wir in den RTW kommen.


    Aber von der Beschreibung her ist der Patient mit dem Bauch auf den Lenker geknallt.


    Aber ansonsten fehlen mir noch wie von @Flo. NF Und mir weiter oben abgefragtes Informationen.

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  • Ein grober Boddycheck ist eine schnelle Nachschau nach Verletzungen.
    dies machen wir bei uns immer so, wenn wir draußen schlechte Bedingungen haben und schauen, ob wir in den RTW kommen.

    ja, aber grob ist nicht definiert.


    Grob kann für dich alles außer Becken heißen, für den Ersteller heißt grob alles außer der Wirbelsäule und der nächste lässt bei grob die Arme aus. Verstehst du was ich meine? Unter "grob" ist nicht beschrieben, was wir untersucht haben, oder eben auch nicht.


    Hier haben wir allerdings keine schlechten Bedingungen an der EST und auch sonst sehe ich das sehr kritisch, bei Traumapatienten (nicht die kleine Sportverletzung) nachlässig zu werden, außer es gibt schwerwiegende Gründe direkt in den RTW verlegen zu müssen.
    -> wobei es um die Grundsatzdiskussion hier eigentlich nicht geht.


    Bei den aktuellen Infos würde ich auch zu einem stumpfen Bauchtrauma mit möglicher Blutung tendieren, allerdings fehlt noch so einiges.

    Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr

  • Schade dass hier nichts mehr läuft. Klingt eigtl. spannend...




    Einmal wie ich rangehen würde, nach Sicherung der Einsatzstelle:


    x: lebensbedrohliche Blutungen? z.B. Fahrradspeiche etc.? kurz sollte man auch noch Arme und Beine auf Einblutungen (prall gefüllt? Farbe?) etc prüfen
    A: Fremdkörper im Mund? Halsvenen gestaut? Schleimhäute? Fehlen evtl. Zähne? Zungenbiss?
    B: Auskultation Lunge, Pneu? SpO2? Atemfrequenz?
    C: Recap? Puls peripher tastbar (stark/schwach, schnell/langsam, rhythmisch)?
    D: Pupillen (perrla)? GCS?
    E: Wärmeerhalt, ausführlicher Bodycheck, SAMPLER (fremd bei Frau?), OPQRST


    kritischer Patient! NA!




    Der Helm muss natürlich ab. Da führt sowieso kein Weg dran vorbei.



    HighFlow O2 geh ich voll mit.



    Gem. KISS Schema auch Beckenschlinge dran, zu unsicher das wegzulassen.



    Zum Stifneck:
    Hier m.M.n eindeutig kontraindiziert. Erhöhung ICP, venöse Abflusstörung. Hier ist auch von einem SHT auszugehen.


    Daher manuelle Immobilisation, Umlagern mit Schaufeltrage und Vakuummatratze. Evtl. alternativ auch Spineboard mit Headblocks, aber wer nutzt die Dinger noch, wenn es nicht unbedingt sein muss.


    Ist der GCS wirklich bei 15? oder doch ein bisschen desorientiert?



    Dann nach dem ABCDE 1-2 Zugänge, so groß wie möglich, eine VEL dran.


    Und natürlich ganz wichtig Wärmeerhalt.



    ------





    Für mich ist der Patient sehr kritisch. Der Unfallmechanismus (gerade der unbeschädigte Helm...), die Schmerzen und die aktuell eigentlich schöne Kreislaufsituation stehen leider im Widerspruch zu den Bauchschmerzen. Für mich hier V.a. stumpfes Abdominaltrauma mit inneren Blutungen. (Milz, Leber etc). Könnte sehr schnell dekompensieren.


    Prellmarke im linken Oberbauch z.B.? :saint:



    Notarzt auf jeden Fall hinterher (allein schon wegen Schmerzen), evtl. könnten wir auch über den RTH nachdenken...bringt irgendwie aber nur 1-2 Minuten.


    Als Unfallursache könnte durchaus BZ Probleme machen, oder auch Herzrhythmusstörungen. Synkope bei dem Wetter natürlich auch möglich.


    EDIT: Die Wirbelsäulenschmerzen ganz vergessen, damit natürlich eindeutig immobilisieren. Sollte aber nicht so kritisch sein wie die möglichen abdominellen Verletzungen.

    Edited 2 times, last by Paramed ().

  • Ich lache gerade innerlich:


    ja, wir haben einen Traumapatienten. Aber muss man da mit Kanonen auf Spatzen schießen?
    Der Patient ist zur Zeit wach, ansprechbar, Kreislauf aktuell unauffällig.


    Notarzt bin ich dabei, Vakuummatratze als Immobilisation auch, ebenso bei Zugang mit VEL. Aber Beckenschlinge bei stabilem Becken?
    Und HighFlow O2 bin ich mittlerweile auch vorsichtig: ich schaue mir den Patienten an und schaue auf die Sättigung: wenn beide Punkte zueinander passen und die Sättigung >90% ist, muss man nicht unbedingt Sauerstoff geben.

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    #WirBleibenZuhause

  • Sorry, aber da geh ich absolut nicht mit.


    Die Symptomatik ist definitiv genug da um den Verdacht auf ein Abdominaltrauma zu erhärten. Dazu kommt der Unfallhergang.


    Wenn der Patient für dich nicht kritisch ist, warum möchtest du dann einen Notarzt? :)


    Offensichtlich ist er soweit noch fit. Aber wie schnell ändert sich das? Wenn es eben doch offen aus der Milz plätschert?


    Ich finde „Übertherapie“ ist hier nicht möglich. Außer, man wartet gemütlich und trödelt rum.


    Und warum genau ist die Beckenschlinge ein Problem? Die Vollimmobilisation auf der Vakuummatratze ist doch wirklich deutlich unangenehmer. Mit dem Unterschied, dass ein Querschnitt im Zweifelsfall weniger tödlich ist als 5 Liter Blut im Becken…


    Soweit ich weiß ist Lehrmeinung mittlerweile auch die sehr großzügige Nutzung der Schlinge. (Siege KISS, wobei Inspektion wegfällt, zumindest für alles unter NFS oder NA)


    EDIT: Inspektion heißt für mich hier auf Stabilität prüfen. Optische Kontrolle natürlich.


    High Flow O2 ist bei einem solchen Nicht-Mini-Trauma m.M.n. immer indiziert. Bei einer 100er Sättigung sollte man dann evtl. ein wenig runtergehen.


    Und ja, bei ihm könnte man AKTUELL auch entspannt an die Sache herangehen. Man sollte sich trotzdem fragen, ob man sich kaputt macht, wenn man umfassend therapiert.

  • Wenn der Patient für dich nicht kritisch ist, warum möchtest du dann einen Notarzt? :)

    Ganz einfach: der Patient ist zwar nicht direkt kritisch, sondern potentiell kritisch. Er ist also in einem Zustand, der jederzeit in einen kritischen Zustand abrutschen kann.


    Ansonsten hatten wir selber schon einen ähnlichen Fall - nur dass zusätzlich zum Fahrrad noch ein Auto beteiligt war.
    Und selbst dort haben wir nicht soviel Medizin gemacht wie hier manche betreiben.


    Vllt. habe ich aber auch gerade hier ein falsches Bild der Situation im Kopf, weshalb ich die nicht ganz so „wilde“ Vorgehensweise nehme.


    Mit der Beckenschlinge: was nützt mir die Schlinge, wenn das Becken stabil ist? Darauf haben wir ja keine Antwort bekommen.

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    #WirBleibenZuhause

  • Ganz einfach: der Patient ist zwar nicht direkt kritisch, sondern potentiell kritisch. Er ist also in einem Zustand, der jederzeit in einen kritischen Zustand abrutschen kann.
    Ansonsten hatten wir selber schon einen ähnlichen Fall - nur dass zusätzlich zum Fahrrad noch ein Auto beteiligt war.
    Und selbst dort haben wir nicht soviel Medizin gemacht wie hier manche betreiben.


    Vllt. habe ich aber auch gerade hier ein falsches Bild der Situation im Kopf, weshalb ich die nicht ganz so „wilde“ Vorgehensweise nehme.


    Mit der Beckenschlinge: was nützt mir die Schlinge, wenn das Becken stabil ist? Darauf haben wir ja keine Antwort bekommen.


    Es ist ja auch ein Forum, jeder kann hier seine Meinung nennen.


    Wenn du lockerer an die Sache herangehst, ist das voll ok.


    Aber:


    Fahrradunfall? Hohe Geschwindigkeit? Kein primäres SHT oder Extremitätenverletzungen? Dafür starke Bauchschmerzen? Irgendwo muss die Energie doch hin. Da liegt das Abdomen subjektiv einfach nahe. Da brauch ich auch kein Auto dazu.


    Und ja, die Beckenschlinge nützt natürlich überhaupt nichts bei intaktem Becken. Das kannst du aber frühestens im CT sicherstellen.


    Ganz persönlich würde ich Bauchschmerzen bekommen, wenn ich den Herrn nicht unverzüglich vollimmobilisiere, ohne Stifneck, Beckenschlinge anlege, Zugänge lege, VEL laufen lasse und unter Monitoring und mit Sonder- und Wegerechten in den Schockraum fahre. Wobei man auf die Zugänge sogar im Zweifelsfall eher verzichten könnte.


    Denn wie sagte mein Ausbilder noch: Wer blutet, braucht einen (OP-) Tisch, keine Trage. :rolleyes:

  • Das Fallbeispiel wird ja leider nicht mehr fortgeführt, trotzdem greife ich eure Gedanken gerne auch nochmal auf.
    Es gibt ja viele verschiedene Möglichkeiten/Systeme um ein Trauma zu bearbeiten. Ich persönlich bin ITLS Zertifiziert und mit weitreichenden SOPS ausgebildet worden daher:


    -15l Sauerstoff ist Pflicht. Wir gehen von einer nicht unerheblichen möglichen Blutung im Abdomen aus, also will ich (solange noch möglich) soviel Sauerstoff wie möglich transportabel machen.
    - Der Patient fällt für mich absolut in die Kategorie "Load and Go" (leider haben wir hier auch keine weiteren Infos zur genauen Beurteilung bekommen)
    = NA nur wenn dieser den Transport nicht verzögert, also uns entgegen kommen kann
    = geschulter Umgang mit Beckenschlinge macht ein Anlegen in kurzer Zeit möglich, also dafür
    = Nutzung der Vakkuuummatratze, ohne Stifneck ist ok
    = für Zugänge den Transport nicht unnötig verzögern! D.h. es klappt direkt ohne Probleme vor Ort, oder es wird auf dem Transport gemacht. Gerne 2 mit großem Volumen.
    = Monitoring als letztes, kostet mich sonst nur Zeit

    Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr

  • -15l Sauerstoff ist Pflicht. Wir gehen von einer nicht unerheblichen möglichen Blutung im Abdomen aus, also will ich (solange noch möglich) soviel Sauerstoff wie möglich transportabel machen.
    = Monitoring als letztes, kostet mich sonst nur Zeit

    In dem Punkt gehe ich nicht mit dir. Monitoring wäre für mich das erste, auch, bzw. gerade bei einem potentiell Kritischen Patienten. Anhand eines Monitoring kann ich auf gravierende Veränderungen sofort erkennen und reagieren, was ansonsten vielleicht länger dauert. Gerade bei einem Sturz unklarer Genese ist ein Blick aufs EKG nicht zu vernachlässigen.
    Zum Thema Sauerstoff: Gehe ich grundsätzlich mit, allerdings würde ich persönlich den Sauerstoff etwas niedriger ansetzen, sollte die Sättigung in Ordnung sein. Ich wäre da so bei 9-12 Liter.